Virtuose Leichtigkeit

Gitarrenkonzert mit Ulrich Rasche in Ansbach

Anspruchsvolle Reise von Valencia nach Köthen

ANSBACH - Sonntagnachmittag, es regnet, melancholisches Herbstwetter schlägt aufs Gemüt. Doch in der Schwanenritterkapelle gehen gespannte Zuhörer mit dem Gitarristen Ulrich Rasche, der auch einer der künstlerischen Leiter der Internationalen Gitarrenkonzerte Ansba ch ist, auf eine kleine musikalische Reise: hinaus aus dem trüben Getröpfel ins sonnige Valencia, wo im 16. Jahrhundert Luys Milan seine Lehrsammlung "EI Maestro" mit Kompositionen für die spanische Vihuela herausgibt.

Drei der darin enthaltenen Pavanen im italienischen Renaissance-Stil klingen klar und hell durch den kühlen Raum. Eine anfänglich leichte Klammheit der Finger muss auch Rasche. überwinden, wobei aber kleine Unsauberkeiten eine seltene Ausnahme bleiben. Ein kurzer Abstecher nach Frankreich, ins barocke Versailles Ludwig XIV. macht das Publikum mit dem Hoflautenisten Robert de Visee bekannt, welcher das Privileg besaß, abends im Schlafgemach des Königs spielen zu dürfen. Möglicherweise entschlummerte "Louis Quatorze" auch sanft zu den barock verspielten Tänzen der "Suite d-Moll", die Rasche virtuos auf seiner Konzertgitarre intoniert, wobei er mit technischer Leichtigkeit und hörbarer Liebe zum Detail die vielfältigen Verzierungen hervorhebt.

Höhepunkt: Bach Ihren Höhe- und Schlusspunkt findet die kleine, aber anspruchsvolle Konzertreise wieder zurück in Deutschland, nämlich in Köthen. Johann Sebastian Bachs gewohnt schwierige technische Läufe und Spitzfindigkeiten: Rasche ist in seinem Element und trifft die Saiten schnell und exakt, das Präludium aus der "Suite Nr.l in e-Moll" (BWV 996) rollt dahin. Die lebhaft frische Courante nicht minder und auch die anschließenden Tänze sind ein sowohl in der Technik, wie auch in der melodischen Ausführung abwechslungsreich gehobenes Vergnügen.

Coralie Rippl – FLZ – 08.10.02