Oase der Ruhe

Ulrich Rasche gab Gitarrenabend in den Kammerspielen

Barock-Programm differenziert und strukturklar interpretiert

ANSBACH - Auch wenn Ulrich Rasche zur Sorte der äußerst rührigen Musikern gehört, die keinen Moment der Ruhe zu kennen scheinen, und sein übervoller Terminkalender, neben Unterrichtsstunden, Termine mit Gitarrengrößen wie David Tannenbaum, Carlo Domeniconi und Frank Bungarten enthält, ist er doch ein sehr sorgfältiger Gitarrenspieler. Seine Tätigkeit als künstlerischer Leiter der renommierten Internationalen Ansbacher GItarrenwochen hinderte ihn nicht daran, zielstrebig ein umfangreiches Repertoire der klassischen Gitarre zu erarbeiten. Eine Kostprobe davon gab er am Mittwochabend in den Ansbacher Kammerspielen.

"Da camera - Musik für die Kammer" nannte er sein Programm, eine nicht ganz passende Wortspielerei. Freilich war es Kammermusik im wahrsten Sinne des Wortes, barocke Kleinodien aus der Zeit als sich Musik im engsten Kreise der Kammern abspielte, die hier erklang. Dabei hat die Ansbacher Kammer wenig anheimelnd-intimes. Sie versprüht eher die herbe Atmosphäre argentinischer Hafenkneipen, wo Jazz- und Tangoklänge zuhause sind. So gesehen ein Stilbruch, der von der guten Akustik wettgemacht wurde und den vielen andächtig lauschenden Zuhörern wenig auszumachen schien.

Gerade zu Beginn der Adventszeit gefällt der eigentümlich unspektakuläre, manchmal schwermütig-besinnliche Charakter alter Kammermusikstücke. In den Frühbarock versetzte die Suite a- moll des schlesischen Lautenisten und Komponisten Esaias Reusner. Tänzerisch-filigran wirbelten die zarten Allemande, Courante, Sarabande und Gigue wie Schneeflocken durch den Raum.

Aus den Ausführungen Ulrich Rasches erfuhren die Zuhörer, dass sein Instrument heute bei weitem nicht den Lauten und Barockgitarren ähnelt. Es gab auch kurze, interessante Einblicke in das Leben damaliger Saitenkünstler und Komponisten.

Zu hoher Meisterschaft brachte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Lautenist und Komponist Silvius Leopold Weiß. Der berühmteste Virtuose seiner Zeit wirkte als Königlicher Kammermusikus am glanzvollen Hofe August des Starken in Dresden und war mit Johann Sebastian Bach gut bekannt. Seinem moll-düsteren "Tombeau sur la Mort de Mr. Compte d´Logy", eine Hommage an den Böhmischen Lautenist Graf Jan Antonin Logy, gab Ulrich Rasche eine klare, konturierte Form und vermied schwelgerische Töne. Auch der Suite A- Dur dem längeren Werk fehlte es nicht an klaren Linien und der Solist bewies über weite Strecken seine beeindruckende Fingerfertigkeit.

Zum Schluss gab es noch einmal große Musik auf zarten Saiten, eine Gitarrentranskription von Bachs Sonate III C- Dur für Violine Solo BWV 1005 und eine Bach-Zugabe. Klangfarbenreich und dynamisch gut differenziert entstand hier eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit.

Marion Etienne